Auf Reisen in die Antike

In Anekdoten, Kunst und Kultur, Sehenswertes by Petit piaf0 Comments

In Südfrankreich ist die Antike fast überall noch präsent, manchmal in Form einer spannenden, amüsanten und zuweilen auch reichlich schrillen Reise in die Antike. Teil I: Experimentelle Archäologie.

© Marie Urdiales

« Advokate! Impugnate ! » Leicht bekleidet und schwer bewaffnet betreten zwei muskulöse Männer die kleine Arena. Um die schlanken Hüften tragen sie ein Baumwollröckchen, das irgendwie an Omis Geschirrtuch erinnert. Waden und Füße stecken in einem Zwischending zwischen Reitstiefeln und antiken Badelatschen. Ihre Köpfe verschwinden in imposanten Helmen, die Augen sind kaum zu sehen, dafür verleiht das Eisen ihrer schweren Atmung ein recht lautes, fast unheimliches Echo. In einer Hand tragen sie ein riesiges, schweres Schild, in der anderen ein kleines Schwert. Der Schiedsrichter, daran erkennbar, dass er zwar keinen Helm, dafür aber ein knappes Kleidchen trägt, gibt das Signal zum Kampf. Die Gladiatoren stürzen auf-, die Schilder und Waffen knallen gegeneinander, die nackten Schultern färben sich bald rötlich, der Atem, der sich durch die Anstrengung und das Gewicht von Helm und Schild schnell in ein seltsames Röcheln steigert, wird nun richtig unheimlich. Auf den Zuschauerbänken herrscht Totenstille, alles starrt auf die Kämpfer, die Frauen umklammern ihre Handtaschen.

Ludi Romani

„ACTA-Ludi Romani“, steht auf dem Schild auf der Stadtmauer von Beaucaire, ein kleiner Ort in der Provence. Gladiatoren in echt, wissenschaftlich erprobt und garantiert authentisch. „Eigentlich komme ich aus dem Kampfsport“, erklärt Brice Lopez, Gründer von ACTA, eines Unternehmens, das Veranstaltungen rund um die Antike anbietet. „Bis vor ein paar Jahren Forscher an mich herangetreten sind. Sie wollten mit meiner Hilfe herausfinden, wie antike Spiele damals tatsächlich aussahen. Anhand von Aufzeichnungen und Bildern haben wir versucht, alle sportlichen Disziplinen der Antike nachzustellen, um zu testen, was menschlich möglich war, und was eher zur Folklore gehörte.“ Experimentelle Archäologie heißt das. Und daran fand er so viel Spaß, dass er das Forum Ugernum eröffnete, ein Ort, an dem man bis ins letzte Detail alles über das Leben in der Antike erfahren kann. Wie wurde geschrieben, mit was wurde gekocht, wie wurden Schilder und Waffen hergestellt… In verschiedenen Ateliers können Kinder und Erwachsene seit letztem Jahr alles selber testen. „Sogar die Helme machen wir hier selbst“, erklärt Hausdominus Brice. Helme, Waffen, aber auch zarte Federn, oder Wachstafeln zum Eingravieren wichtiger Botschaften. Kinder, aber auch Erwachsene seien ganz wild auf diese hautnahe Geschichtsvermittlung, erzählt er weiter. Mit seinem Team empfängt er – alle immer adrett in Baumwolltüchlein gewickelt – Gruppen, Schulklassen und Besucher aus der ganzen Welt.

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