Geheimcode

In Bürokratisches by Petit piaf0 Comments

Wer kennt sie nicht, die Bürokratie, die Nerven rauben und in den Wahnsinn treiben kann? So auch in Frankreich, wo so manche Absurdität Stoff für Anekdoten bietet – wie die, vom Geheimcode.

© Marie Urdiales. Titelbild © Kersy83 flickr.

Manchmal könnte man fast meinen, französische Ämter täten alles, um brave und weniger brave Franzosen davon abzubringen, um irgendetwas zu bitten, und sei die Bitte noch so legitim. So ergab es sich, dass eine Bekannte von mir kürzlich Wohngeld beantragte, und daraufhin eine Folge von lustigen kleinen Anekdoten zu erzählen hatte. Wie zum Beispiel die Sache mit dem Code.

Inzwischen ist man auch in Frankreich so weit, dass man sich problemlos übers Internet in diversen Institutionen einloggen, anmelden und informieren kann. Besagte Freundin lud entsprechend den Antrag runter, füllte ihn aus und schickte ihn per Post mit all den Anlagen an das Sozialamt. Erstaunlich kurze Zeit später erhielt sie Post, in der das Amt ihr ihre „Kundennummer“ mitteilte, zusammen mit einem Geheimcode, bestehend aus vier Buchstaben. Diesen Code, mahnte das Amt, solle meine Freundin bloss nicht verlieren, und auch nicht weitergeben. Er sei GEHEIM. Und unerlässlich, um sich einzuloggen, und dem Verlauf seines Antrages zu folgen. Da sie dem Verlauf ihres Antrages unbedingt folgen wollte, setzte sich die junge Frau an den PC, ging ins Internet, gab auf der Seite des Amtes anweisungsgemäß ihre Nummer ein, ihr Geburtsdatum, ihre Postleitzahl, und schließlich, ihren Geheimcode ein. Drückte auf „enter“. Und erhielt die Nachricht, ihr Code sei falsch. Also tat sie, was man bei einer solchen Nachricht immer tut: sie gab alle Angaben nochmals ein, drückte auf „enter“… und erhielt die gleiche Fehlmeldung. Nun schaute sie etwas genauer hin und las, dass ihr Geheimcode aus vier Ziffern zu bestehen habe. Das Amt aber hatte ihr einen Code aus vier Buchstaben geschickt.

Was tun? Sie klickte erstmal auf die Zeile „Passwort vergessen“ und bekam die beruhigende Nachricht, man würde ihr den Code baldmöglichst auf Postwege zustellen. Um es aber noch etwas schneller zu machen als auf Postwege wählte meine Freundin die Nummer des Amtes, quälte sich durch alle „drücken Sie auf 1, bestätigen Sie mit Stern“ Anweisungen, bis sie schliesslich an das Güldne Tor gelangte, das, hinter dem sich ein Mensch verbarg. Nur hatte sie eins nicht bedacht (wie auch!): um das Güldne Tor zu öffnen bedurfte es der Nummer, und natürlich auch des Geheimcodes. Den sie, mit bewundernswerter Phantasie, irgendwie von Buchstaben ins Ziffern übersetzte, einem Entcoder des kalten Krieges gleich. Doch trotz aller Bemühungen stiess sie immer wieder an die gleiche Grenze: verlangt wurden vier Ziffer, sie aber hatte nur vier Buchstaben. Auch hier drückte sie schliesslich auf 3 und bestätigte mit Raute, dass sie ihr Passwort verloren habe, auch hier erhielt sie eine automatische Antwort, dieses würde ihr baldmöglichst etc etc zugestellt werden.
Beide Anfragen wurden auch tatsächlich baldmöglichst auf Postwege erledigt. Meine Bekannte bekam gleich zwei Briefe mit dem „vergessenen“ Geheimcode. Der mit den vier Buchstaben. Erst ein guter alter Gang zum Amt ermöglichte es, das Rätsel zu lösen. Ihre Akte sei noch nicht im Computer erfasst. Spricht man hatte ihr ein Geheimcode für eine Akte geschickt, die’s eigentlich noch gar nicht gab. Obwohl eine erste Überweisung bereits stattgefunden hatte. Die Dame am Schalter war freundlich und hilfsbereit. Sie werde sich persönlich darum kümmern. Und ihr den Geheimcode baldmöglichst auf Postwege zustellen…

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