Im Land der Olive

In Gastronomie, Porträts by Petit piaf0 Comments

Mit Oliven ist es ein bisschen wie mit Exzentrikern – man mag sie oder man mag sie nicht. Ein
Dazwischen gibt es selten. In Frankreich gehört die eigenwillige Frucht zu fast jedem Apéritif dazu. Die Firma Barnier Olives hat damit international Erfolg.

© Stefanie Eisenreich. Erschien im Januar 2016 bei ParisBerlin. Beitragsbild © Jospeh Müller. www.jugendfotos.de

„Wenn Sie Oliven nicht mögen,“ sagt Hubertine van Kessel,
Direktorin des südfranzösischen Olivenproduzenten Barnier Olives, dazu,
„dann liegt das nur daran, dass Sie es immer mit den Falschen probiert haben.“ Man würde meinen, sie spreche von ihren Erfahrungen mit Männern, aber nein, es ist die Olive, die sie hier beschreibt. Nach 25 Jahren an der Spitze ihres Unternehmens weiß sie, wovon sie spricht. Die 63jährige leitet das Unternehmen seit dessen Gründung im Jahr 1991. Unscheinbar liegt die Firma im Industriegebiet am Rande des kleinen Küstenstädtchens Frontignan, nur gut zwanzig Autominuten von Montpellier entfernt. Anders als sein internationaler Ruf es vermuten lässt, muss man das Unternehmen suchen, um es zu finden. Oder der Nase folgen.

Die beste Olive kommt aus Südfrankreich.Hubertine van Kessel

Überzeugt wirkt die freundliche und bestimmte Niederländerin, die im Alter von 27 Jahren nach Frankreich kam, wenn sie von den Vorzügen der regionalen Olive schwärmt. Neben verschiedensten Olivensorten, komme die beste, so die Managerin, natürlich aus der
südfranzösischen Region des Languedoc-Roussillon. Die Sorte Lucques ist neben der Picholine der ganze Stolz der Firma. In der Regel werden die Oliven, die das Unternehmen verarbeitet, aus Marokko oder anderen Mittelmeerregionen wie Spanien oder Griechenland importiert, während die heimische Olive im September geerntet und in den Wintermonaten zu beliebten Olivenmischungen oder Tapenaden verarbeitet wird. Da Oliven nicht vom Baum gegessen werden können, muss die Frucht zunächst einen chemischen Prozess durchlaufen, bei welchem ihr die natürliche Bitterkeit entzogen wird. Im Anschluss daran werden den Oliven in einem aufwendigen Verfahren die Kerne entfernt und nach Vorgabe von fünfzig verschiedenen Rezepturen Gewürze hinzugefügt.
Nicht nur der französische Gaumen freut sich über die Cocktailoliven des Unternehmens, welche seine Produkte unter dem Namen Menguy’s vetreibt. Das Tochterunternehmen der Finanzgesellschaft Soficor exportiert nicht nur europaweit in Länder wie Belgien, Deutschland oder Island sondern auch nach Asien, Neuseeland, Kanada oder in die USA. 38% des Gewinns kommen aus dem Export, was im vergangenen Jahr einer Summe von 2,7 Millionen Euro entsprach. Das Unternehmen mit der einzigen Produktionsstätte in Frontignan bleibt bescheiden, trotz des mittlerweile weltweiten Exportgeschäfts. Der Gesamtgewinn beläuft sich auf 7,38 Millionen Euro, 27 Angestellte arbeiten täglich in der Olivenwerkstatt.

Doch gerade hier spürt das Unternehmen seit 2008 die Schwierigkeiten der Wirtschaftskrise. Die Zahlen des Jahres 2015 sind noch nicht berechnet und dennoch wird merklich weniger produziert. „Das liegt daran,“ so die Managerin, „dass Oliven als typisches Partyprodukt natürlich nicht unverzichtbar sind. Bestellungen sind zurück gegangen, weshalb in den letzten Jahren auch weniger produziert wurde.“ Dabei habe man im Export 6% Verlust gemacht. Erst im vergangenen Jahr habe sich die Produktion langsam wieder gesteigert.

Als sie das Unternehmen, welches zuvor seit 1936 den Namen Confiserie Littoral trug, übernahm und daraus Barnier Olives machte, hätte es bereits besser laufen können. Dabei ist Hubertine van Kessel eher durch Zufall an die Spitze des Unternehmens gelangt. Der Liebe wegen blieb die dynamische Powerfrau nach einer Reise in den Süden Frankreichs in der Region, bekam drei Kinder und begann sich im Unternehmen ihres Mannes zu engagieren, welcher sich ebenfalls der Olive verschrieben hatte. Ohne Vorkenntnisse fing die Autodidaktin an, in ihr Heimatland zu exportieren und gründete schließlich nach einem Treffen mit der Finanzgesellschaft Soficor das Unternehmen Barnier Olives.
Mit Einfallsreichtum und Ehrgeiz führte Hubertine van Kessel als Direktorin von Barnier Olives ihr Unternehmen zum internationalen Erfolg. Und dies nicht zuletzt dank der weltweit bekannten lokalen Olivenart, die einzigartig und in anderen Regionen nicht anzutreffen ist. Aus diesem Grund importieren Länder wie Brasilien, deren Importbestimmungen teuren Zollgebühren unterworfen sind und die selbst zu den Produktionsländern zählen, auch die Olivenmischungen des französischen Herstellers.

Olivenkennerin Hubertine van Kessel war anfangs kein Fan dieser Baumfrucht und gesteht, dass sie wählerisch bleibt. „Oliven haben eigentlich keinen bitteren herben Geschmack. Eine gute Olive ist ein bisschen salzig und in der Mischung gut gewürzt.“ Vorsicht aber sei geboten, verrät sie, wenn „Oliven eine Bakterie entwickeln, die für den typischen Olivengeruch sorgt.“ Oft entsteht diese bei Problemen im Prozess, bei welchem der Frucht die Bitterkeit entzogen wird. „Diese Olive ist schlecht. Eine gute Olive aber essen Sie und haben gleich darauf Lust auf eine zweite.“ Ein bisschen Exzentrik muss also sein, auch bei Oliven.

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