Im Schwitzkasten französischer Bürokratie

In Anekdoten, Bürokratisches by Petit piaf0 Comments

Im Dschungel der Bürokratie verspricht auch Frankreich so Einiges an abenteuerlichen Erfahrungen. Unbezahlte Arbeit, fehlende Dokumente, langwierige Behördengänge. Einmal Passierschein A38 bitte.

© Stefanie Eisenreich. Titelbild © Tim Chaborski www.jugendfotos.de.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind mal wieder im bürokratischen Schwitzkasten gefangen. Wie, Sie wissen nicht wie das ist? Folgendes: Im Bildungsbereich wird geknausert. Auch in Frankreich. Und immer da, wo man kann. Und wo ginge das besser, als bei Aushilfskräften? Und noch einfacher geht es, wenn es sich um zusätzliche Stunden in der Nachhilfe handelt. Wie das? Viele Lehrende wissen davon zu berichten. Man wird nicht bezahlt. Man wird vertröstet.

Wer da nach einigen Monaten unbezahlter Arbeit in der zentralen Verwaltungsstelle für Pädagogisches nachfragen will, der darf sich über folgendes Szenario nicht wundern:
„Ja, warten Sie, da sind Sie bei mir leider falsch. Ich bin zuständig für das Collège. Ich verbinde Sie mit dem Sekretariat.“ Im Sekretariat leitet man Sie weiter zur Kollegin, die für die Privatschulen zuständig ist, die Sie wiederum zum Kollegen durchstellt, der doch eigentlich hätte dafür sorgen sollen, dass Ihr Lohn überwiesen wird. „Komisch, es ist alles da, aber ja, Ihre Zahlung ist blockiert. Warten Sie, ich stelle Sie mal durch.“ Eine piepsige Stimme sagt Ihnen dann schließlich, dass sie auch nicht wisse, wieso Ihr Geld nicht überwiesen wurde und erklärt, da müsse sie Sie noch einmal mit einer Kollegin verbinden, die Sie wieder durchstellt und an den nächsten Kollegen vermittelt. Acht verschiedene Mitarbeiter später, werden Sie, wenn Sie Glück haben, mit einer Kollegin verbunden, die Sie möglicherweise bereits eine Stunde zuvor am Telefon hatten. „Nun ja, warten Sie,“ sagt diese Ihnen, unter Umständen nun selbst etwas verwirrt: „Ich schaue nochmal in meinen Computer. Ja, da muss ich Sie leider noch einmal mit dem Kollegen verbinden.“

Wer denkt da nicht an den berühmten Passierschein A38 im Haus, das Verrückte macht? Und das, obwohl es doch am Ende so einfach ist: „Ja, Frau Eisenreich, da hatte wohl die ganze Zeit noch ein Dokument gefehlt, aber das ist jetzt da. Ich habe die Zahlung jetzt für Sie frei geschaltet. Im nächsten Monat haben Sie ihr Geld.“ Wie, war das Alles, möchten Sie rufen. Soll das jetzt so leicht gewesen sein? Außer Atem legen Sie auf. Vor einigen Jahren noch, hieß es, man müsse doch verstehen, man sei noch nicht auf die neue Technik eingestellt. Da dauere eben Alles etwas länger. Heute sind es eben fehlende Dokumente. Und wenn am Ende des Monats Ihr Geld immer noch nicht da ist, dann machen Sie es wie Asterix und versuchen Sie es mal mit Passierschein A39.

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