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In Kunst und Kultur by Petit piaf0 Comments

Wieso? Weshalb? Warum? Es gibt Orte, in die geht man hin, um sich „irgendwie“ zu bilden, kommt aber insgesamt eher völlig verwirrt wieder raus! Das Panacée im Herzen Montpelliers ist so ein Ort.

© Marie Urdiales.

Bei seiner Einweihung im Sommer 2013 als „Ort zeitgenössischen kulturellen Ausdrucks“ angekündigt, ist das Panacée heute zwar hype… aber auch einen Hauch hermetisch! Liegt es daran, dass einige Stadtvertreter selbst nicht so genau wussten, wie sie es anpacken, und was sie da eigentlich ankündigen sollten ? Jedenfalls verlief die PR-Kampagne um das Panacée zunächst recht diskret. Zentral gelegen und zugleich etwas abseits muss man den Ort erst einmal suchen. Es liegt in einem Viertel, das durchaus seinen kulturellen Reiz hat, weil viele Studenten, aber auch Kunsthandwerker und kleine Restaurants mit Küche aus aller Welt sich hier nieder gelassen haben. Aber es ist eben doch ein Stückchen weg vom „zentralen“ touristisch-kulturellen Zentrum der Stadt. Es ist daher sicherlich eine gute Idee, auch mal ein wenig vom zentralen Place de la Comédie zu locken, aber böse Zungen behaupteten auch schon mal, man habe diese UKO (unbekannte Kulturobjekt) absichtlich ein wenig abseits von den traditionellen Kulturorten angesiedelt.

Was aber ist nun so… ungewöhnlich am Panacée? Zunächst einmal sicherlich der architektonische Kontrast zwischen dem Bau aus dem 16. Jahrhundert, in dem einst u.a. die Königliche Medizinschule ihren Sitz hatte und der resolut ultramodernen Einrichtung innen. Insgesamt, so das Pressedossier, könne man Architekturspuren vom 12. Jahrhundert bis in die 50er Jahre finden. Ein Museum wie eine Schnitzeljagd! Ist man erstmal drin, bestechen Paradoxa: enge dunkle Gasse außen, Licht und Raum innen. Erstaunt fällt der Blick auf den Patio, der inmitten des Gebäudes wie ein ehemaliger Klostergarten liegt, und um den herum sich die eher puristischen Ausstellungsräume reihen. Der Eintritt ist umsonst. Was vielleicht auch damit zu tun hat, dass es äußerst schwierig ist, zu beschreiben, und somit zu verstehen, was man im Panacée eigentlich sehen kann. „Zeitgenössischer kultureller Ausdruck“, dahinter kann sich sowohl alles als auch heiße Luft verbergen. Entsprechend ist es (noch) schwierig, Besucher spontan dafür zu begeistern, für den Zugang auch Eintritt zu bezahlen – darf zumindest vermutet werden!
Es geht im Panacée hauptsächlich um moderne Technologien, aber auch um Interdisziplinarität. Urban, Design, Digital, ein Vokabular, das noch recht neu ist im Munde der französischen Provinzler und beim Panacée im Mittelpunkt steht. Hier besteht der Ehrgeiz, Disziplinen kreativ zusammen zu fügen, deren Begegnung nicht unbedingt selbstverständlich ist. Kunst und Fernübertragung bildeten das unerwartete Pärchen der ersten Ausstellung. Um Wohnraum und Technologien ging es – künstlerisch hinterfragt – letzten Winter. Im Augenblick steht „Post“ im Vordergrund. Die Ausstellungen wechseln regelmäßig. Und ehrlich gesagt, ist es auch nach dem fünften Besuch teilweise eine wahre Herausforderung, kurz und präzise zusammen zu fassen, was man da gesehen hat. Das macht es allerdings auch so spannend: Man wird hier ständig hinterfragt. Kontraste und Unerwartetes zwingen einen immer wieder in den Reflexionsprozess.

Um den Besucherfluss zu halten, hatte die Stadt, die das Projekt angeleitet hat und nach wie vor betreut, zwei gute Ideen. Zum einen wurden in den Wänden des Panacée nicht nur Künstlerresidenzen, Arbeitsräume und eine Bibliothek zu den Themen des Ortes eingerichtet, auch ein kleines Studentenwohnheim fand hier seinen Platz. Und: ein Café, schick im urbanen Design, in dem abends Feten und Sonntags Mittags Frankreichs originelle Definition von einem Brunch zu genießen sind. Und nach dem Brunch noch satt und gemächlich durch die Ausstellungsräume zu schlendern, ist inzwischen zu einer der Lieblingsbeschäftigungen vieler Montpellieraner geworden.
Wenn man ganz ehrlich ist, weiß man nach einem Besuch des Panacées zwar immer noch nicht ganz genau, was man hier eigentlich gesehen hat, aber eines ist sicher: Man war an einem der Orte, die z.Zt. besonders angesagt sind, jedenfalls für die U40!

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