Wer „Nest“ sagt denkt „Gemütlichkeit“ aber so einfach ist es manchmal nicht, und schon gar nicht im interkulturellen Kontext. Nicht nur, dass „Gemütlichkeit“ ein Konzept ist, das den Franzosen weiterhin unerschlossen bleibt – das englische „cosy“ kommt dem noch am nächsten, und wird von Franzosen manchmal auch benutzt – nein, auch „Nest“, nid, hat in Frankreich eine ganz andere, ganz und gar nicht gemütliche Komponente. „Un nid de poussière“, „un nid de guêpes“, „un nid de serpent“… Schmutz und Gefahr lauern in französischen Nestern! Gut, es gibt auch „nids d’ange“ und „nids d’amour“, Liebesnester. Aber prinzipiell legt man sich in Frankreich ungern ins Nest, auch nicht ins gemachte.

Nahezu endlos sind die Unterschiede in den Details, die den Alltag ausmachen. Ein Thema hier: die französische Bürokratie. Eine Quell‘ der Freude, un vrai nid d’emmerdes. Ein Nest voller, nun, Widrigkeiten. Ob diesseits oder jenseits des Rheines, vorherrschend ist ja nach wie vor die Idee, Deutschland sei ein extrem bürokratisches Land. Stimmt nicht mehr ganz. Frankreich ist da um einiges schlimmer, nur dass es hier noch ein Zusatzelement gibt, das der Bürokratie eine ganz besondere Note verleiht: Chaos.
Zweite immerwährende Quelle des Vergnügens: alles, was den Menschen so ausmacht. Liebe, Sprache, Essen, ja, selbst über die Strasse gehen kann im deutsch-französischen Kontext ganz anders von statten gehen! Diese immer wieder neu gemachte Erfahrung, es ist eben doch nicht alles so gleich, wie man manchmal glaubt, kann ganz schön verwirren!
Dabei ist es ja gerade das, was so viel Spass macht im europäischen Nest…

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