Radschlag

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Es ist ein ganz kleiner Laden, den man aber unbedingt kennen muss, bevor man die Gegend auf Rädern erobert. In seinem Work-Shop ist Antoine Serny nämlich ein wichtiger Partner für Liebhaber des Vehikels, den Franzosen liebevoll « die kleine Königin » nennen.

© Marie Urdiales. Titelbild © Emelina Michels. www.jugendfotos.de

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Verkehrstode in Montpellier rasant gesunken. Der Grund : Stadt und Region haben massiv in neue, breite und vor allem gesicherte Fahrradwege investiert. Heute ist es möglich, Stadt und Land auf zwei Rädern zu erobern, in Montpellier aber auch in kleineren Städten ist Fahrrad fahren heute fast überall gefahrlos möglich und auch zwischen zwei Orten bewegt man sich heute sicher. Nicht erstaunlich also, dass die sich Zahl der Räder innerhalb weniger Jahre fast verzehnfacht hat und dass hier und da in der Innenstadt kleine Läden aufmachen, in denen der Kunde vor allem dann König ist, wenn er Fahrradfan ist.
Einer dieser kleinen Läden befindet sich im Herzen der Stadt, in der Rue St Guilhem. Au bon vélo – unscheinbar, wenn man nicht genau hinschaut liegt der Laden rechts oben, wenn man von unten kommt (boulevard Jeu de Paume), links unten, wenn man von oben (Rue de la Loge) heranspaziert. Der Mann, der hier in der klitzekleinen Werkstatt arbeitet, ist eindeutig ein Liebhaber der Zweiräder. Einer von denen, die man in Frankreich einen « passionné » nennt, ein leidenschaftlicher Anhänger, in dem Fall der « bicyclette » . Er widmet sich ihnen den ganzen Tag. Repariert, arrangiert, putzt, bastelt, rettet. Kauft und verkauft auch, gebraucht, aber nur, wenn er einen « coup de coeur » verspürt, sich also in eine alte Tretmühle verliebt. Ergibt es sich, dass jemand ihm ein altes Fahrrad anbietet und dieses ihm gefällt, kauft er es, richtet es liebevoll wieder her und verkauft es wieder. Per Handschlag garantiert, und mit inklusivem regelmässigen Nachziehen der diversen Kabel, wenn nötig.
Wer schon ein Fahrrad hat, sollte den Laden aber auch kennen. Denn egal was es ist – ein defektes Teil, eine lockere Bremse, ein kaputtes Licht – jederzeit kann man einfach in seine Werkstatt hineinspazieren, fragen, schauen, und gegebenenfalls sein Fahhrad gleich da lassen. Für wenig Geld (im Schnitt 15 €) kümmert sich Antoine um den Drahtesel und sorgt dafür, dass man wieder unbeschwert die Welt erobern darf. Blind vertrauen kann man dieser Sorte Mensch, der sich auch dann nicht lustig macht, wenn man mit dem hässlichsten und kaputtesten Bikes hinein kommt. Wie alle echten Fans kann er auch auch dem seltsamsten Gefährt Charme abgewinnen. Und Dank seiner schönen Klingelsammlung kann hier auch das unscheinbarste Rad zur Schönheit werden…

Au bon vélo
35, rue Saint-Guilhem
34000 Montpellier
04 67 58 69 39
Geöffnet 10 – 12h, 13h30 – 18h30

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