Schecks

In Anekdoten, Bürokratisches by Petit piaf0 Comments

Geldverkehr gehört sicherlich zu den Bereichen, in denen jedes Land seine eigene Auffassung von Modernität und Sicherheit verteidigt. Daher ist es fast logisch, wenn Auffassungen zuweilen aneinander scheitern (können)…

© Marie Urdiales

Ruft mich kürzlich mein deutscher Verleger an. Es gäbe da ein Problem, ob ich helfen könne. Klar sagte ich spontan, helfen geht immer. Um was es denn ginge. Um Geld, so mein Verleger. Was mich kurz aber heftig bestürzte, denn wenn mein Verleger Geldprobleme hat dann… Nein nein! Das sei es nicht! Das Problem sei… Paris! Genauer verhielt es sich so, dass man für Fotoaufnahmen in der französischen Hauptstadt eine Genehmigung von 130 € zu bezahlen hatte. Und zwar dem Rathaus von Paris. Das – und ich hörte an der Stimme meines Verlegers, dass diese Tatsache ihn nach wie vor in tiefes Unglauben versetzte – aber keine Überweisungen annehme. Bezahlen könne man nur mit… Schecks. Doch finden Sie jetzt mal jemanden, der in Deutschland ein Scheckheft hat! Als mich ein deutscher Freund einst in einem Supermarkt mit einem Scheck bezahlen sah, war er völlig am Ende. „Oh Gott!“ hatte er da ausgerufen, „Bekommst du etwa Essensbons von der Sozialhilfe? Warum hast du nicht gesagt, dass du Geldprobleme hast?“ In Frankreich aber ist diese Bezahlungsart Gang und Gebe, im Gegensatz zur deutschen Gewohnheit, auch höhere Beiträge bar zu bezahlen. Kurz und gut: großzügig habe ich meinem Verleger mit einem Scheck ausgeholfen, sprich anstatt dass er einfach eine Überweisungsantrag an das Pariser Rathaus aufgab und die Sache innerhalb eines Tages regelte, musste ich per Einschreiben einen Scheck nach Deutschland schicken, der nebst Rechnung an das Pariser Rathaus per Einschreiben geschickt wurde, während ich meinem Verleger eine Abrechnung über Gebührenvorlage schrieb (per Mail), die er mir wiederum sofort erstattete. Per Überweisung. Soweit zur französischen Auffassung sicheren und modernen Geldverkehrs. Kurze Zeit später stand ich an einer Straßenbahnhaltestelle und grübelte über das Thema, da bat mich ein Straßenkehrer freundlich, ein wenig zur Seite zu treten. Was ich ebensogerne tat, wie Schecks ausfüllen. Da fiel mein Blick auf sein Arbeitsutensil und siehe da: es war ein Besen, der als Requisite für jede anständige Walpurgnisnacht hätte dienen können. Dieser freundliche Angestellte der Stadt Montpellier kehrte die Strassen mit einem Besen, mit dem Harry Potter nicht mal in seinen schlechtesten Tagen zum Quidditch hätte antreten können. Es war schlichtweg ein Besen aus einer anderen Zeit. Und damit, fand ich, hatte alles doch wieder eine eigene Logik in meiner Heimat…

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