Schieflage

In Anekdoten by Petit piaf2 Comments

Egal wie, irgendein Detail ist bei euch Franzosen immer schräg, erklärte mir einst ein deutscher Freund. Ich zuckte verächtlich mit den Schultern angesichts dieser germanischen Überheblichkeit. Bis zur Sache mit dem Schlafsofa…

© Marie Urdiales. Foto © Roman Cieslik. www.jugendfotos.de

Die Deutschen immer mit ihrem TÜV und ihrem Perfektionismus ! Sollen die doch zelten gehen, wenn ihnen unsere Hotels nicht passen, aber ehrlich ! Dass mein Freund meinte, wir würden all‘ dies Dank unserer Herzlichkeit und unserer Hilfsbereitschaft locker ausgleichen, versöhnte mich nur bedingt mit dieser Vision technisch einwandfreier, deutscher Gardinenstangen, auf denen der Stoff nur so flutschte, während die deutsche Minibar Smartphone gesteuert leise auf und zu ging und deutsche Abflüsse in dezenten Wagnerklängen elegant und vor allem vollständig abflossen.

Doch dann kaufte ich ein Schlafsofa und neue Welten erschlossen sich mir.

Ich wollte kein Njut Njut Sofa und vielleicht war dies der erste, der ursprüngliche Fehler . Zugleich aber hatte der alte Schwede nichts zu bieten, was sowohl meinen ästhetischen Ansprüchen als auch meiner Grösse gerecht geworden wäre. Also steuerte ich zielsicher einen meiner Lieblingsläden an, fand eine herzliche und hilfsbereite Beraterin, die mir mein Glück in Form einer grossen, grauen Couch anpries. Form, Stoff, Preis… alles war bestens, nur bei der Grösse war ich mir nicht sicher. Aber gut : das liess sich ja vorweg abmessen. Ansonsten fand ich die Lieferfrist etwas lang – vier Wochen – aber wie die Verkäuferin mir voller Insbrust erklärte :
– Madame, es ist made in France ! Das dauert nun mal länger.
Dass französische Erwachsene langsamer arbeiten als andere, erfüllte uns beide mit patriotischem Stolz, zuversichtlich fuhr ich nach Hause, um entsprechende Messungen durch zu führen. Das Made in France sollte sich schliesslich in voller Grösse in meiner kleinen Wohnung entfalten können.
Am nächsten Tag stand ich wieder im Laden, machte den Kauf klar… und erfuhr, nicht ohne eine gewisse Überraschung, dass die Lieferung sich nun um eine ganze Woche verschieben würde, sprich ich nicht mehr vier, sondern fünf Wochen würde warten müssen. Auf meine Frage, wie es mathematisch zu erklären sei, dass eine Lieferfrist sich innerhalb von nur 24 Stunden um eine ganze Woche verschiebe, erntete ich lediglich einen verschwörungsschwangeren Blick. Die Made in France Welt erwartete anscheinend von mir, dass ich begriff, dass es hier weniger um Mathematik als vielmehr um geheimnisvolle, gar mystische Mächte ging.
Welchen Kräften ich es wiederum zu verdanken hatte, dass ich zehn Tage früher als geplant beliefert wurde, versuchte ich mir gar nicht erst zu erklären. Eines schönen Dienstag Morgens jedenfalls schleppten schnaufend und leidend zwei Kerle das 100 kg Ding in die zweite Etage. Packten es aus den diversen Schutz- und Verpackungsfolien aus. Stellten es da auf, wo ich es mir wünschte. Und mein kleines Wohn- und Schlafzimmer hätte ab sofort schön sein können wie ein deutsches 5 Sterne Hotel… hätte ich nicht einen Blick zwischen den beiden Männer aufgefangen.

– Madame, erklärte mir einer auf meine besorgte Frage hin, Madame : Der Hersteller hat die Schrauben vergessen!

Nun muss man aber wissen, dass besagte Schrauben dazu dienen sollten, die vier Füsse der Couch zu befestigen. Da sie nun fehlten (was uns ein ausgiebiges Eintauchen in ca. 4m³ Verpackung bestätigte) konnten sie aber nicht befestigt werden, die Couchfüsse. Was, auf den ersten Blick zumindest, nicht viel ausmacht. Die Couch als Couch konnte man problemlos nutzen. Beim Ausklappen allerdings änderte sich die Lage… und zwar ganz schief. Denn als das Schlafsofa seiner zweiten Berufung folgen sollte, stellte ich fest, dass der stabile, schwere Rahmen in horizontaler Stellung so kalkuliert worden war, dass die 15cm Fusshöhe berücksichtigt wurde. Sprich ohne Füsse schwebte der untere Teil des Ganzen besagte 15 cm in der Luft. Darauf vertrauen, dass diese etwas skurile Stellung meiner Durchblutung gut tun würde, schlief ich diese Nacht in Schlieflage.
Gut durchblutet war mein Gehirn dann am nächsten Morgen in der Lage zu verstehen, dass ein Wiedereinklappen des Sofas in Sitzstellung durch das Fehlen der Füsse genauso erschwert wurde, wie gerades Schlafen. Die Schrauben wurden mir 15 Tage später geliefert mit dem Versprechen, mir innerhalb der nächsten 15 Tage jemanden mit einem Schraubenzieher zu schicken. Inzwischen aber an übermässiger Kopfdurchblutung leidend kümmerte ich mich selbst darum.
Und weil man in diesem Land tatsächlich nie um ein Anekdötchen verlegen ist :
kurz nach der Couch erstand ich einen neuen Herd, Gas oben, Elektro im Ofen. Es sei kein Kabel für den Ofen vorgesehen, erklärte mir der Verkäufer, dieses müsste extra gekauft werden, da ich den Ofen sonst nicht benutzen könne. Da der Herd sowieso schon teuer war, kam es auf die 20 € auch nicht mehr an. Doch als der Herd eine Woche später geliefert und installiert wurde, was war wohl das Erste, was die Installateure im Ofen fanden ? Ein Kabel.
Ich habe jetzt also zwei Kabel für nur einen Ofen. Aber wenigstens schlafe ich jetzt gerade…

Comments

  1. 🙂 Aber man sitzt sehr gut auf deinem Sofa, un der Backherd liefert vorzügliche Käsesoufflés!!!

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