Oh schwul, ja so schwul!

In Anekdoten by Petit piaf0 Comments

Schöner, jünger, heißer als Paris: Montpellier, die Stadt mit der rosa Sonne! Denn: nicht nur die Hauptstadt ist bekannt für seine freizügige Schwulenszene.

© Marie Urdiales. Fotos © Stefanie Eisenreich.

„Paris, Paris, immer nur Paris… Also wirklich, wolltest Du denn nach Paris?“ Recht entspannt sitzen mein Freund Henry und ich an der Terrasse des Café de la Mer. Es ist Anfang Juli, die Sonne knallt und an dem azurblauen Himmel dürfte so schnell keine Wolke auftauchen. In Paris meldete der Wetterdienst an diesem Morgen Regen und satte sechzehn Grad. Hahaha…
„Nee Henry, ich wollte auch nicht weg. Aber was willst Du machen? Jeder glaubt, die französische Schwulenszene wäre nur in der Hauptstadt. Da nützt es wenig wenn Du immer erzählst, Montpellier sei die zweite Schwulenstadt nach Paris. “
Lachend verschwinden zwei hübsche Jungs ins Café, mein Freund Henry und ich seufzen synchron, wenn auch aus verschiedenen Gründen. „Du als Heterofrau kannst sowas ja gar nicht verstehen.“ Er ermüdet mich, wenn er mich in die Kategorie „bornierte Hetero“ abserviert. „Dann erklär’s mir doch, Du Superstar der lokalen Nächte!“
Bevor wir uns weiter anzicken können, gesellt sich Michel zu uns, Besitzer des Cafés seit knapp 15 Jahren und trotz chronischer Wortkargheit eine wahre Infoquelle. „Michel, Henry behauptet, Montpellier wäre extrem gay freundlich, kann aber nicht mal sagen warum!“
„Montpellier ist so lange schon gay freundlich, da denkt kaum noch einer drüber nach. Seit über 30 Jahren erlebe ich das hier, klar, sicher auch wegen Mai 68. Aber die sozialistische Stadtverwaltung tut seit Jahrzehnten alles, um uns das Leben zu erleichtern.“ „Wie denn das, cher Michel?“
„Viele Verantwortliche im politischen und kulturellen Bereich sind bekennend schwul, und dies seit Jahren. Da wird auch längst kein Wind drum gemacht. Der ehemalige Bürgermeister [Georges Frêche war über 20 Jahre im Amt und ist inzwischen leider verstorben] hat sich immer offen für unsere Rechte engagiert, den schwulen Interessensverbänden immer geholfen, homosexuellen Paaren die gleichen Ferien genehmigt beim Pacsen* wie Heteros bei Hochzeiten…“
„Auch seine Nachfolgerin, Hélène Mandroux, traute Homopaare im Rathaus!“, meldet sich Henry zurück ins Gespräch. „Ja, stimmt. Jedenfalls hat dies dazu geführt, dass wir hier schon lange offen leben. Ich meine, Paris hat den Marais, und wir haben die ganze Stadt!“
„Und den Strand!“

Henry liebt den Strand.

„Und den Strand. Sieh mal, wir sind hier eine Studentenstadt, also recht jung. Wir sind knapp zwei Stunden von Spanien weg, und entsprechend temperamentvoll. Wir haben das Meer auf der einen und die Skipisten auf der anderen Seite. Und in Paris haben sie vielleicht mehr Auswahl, aber guck‘ uns hier an! Du bist mitten in der Stadt und Du kannst den ganzen Tag schwul leben, ohne ein einziges Mal das Auto nehmen zu müssen!“
„Außer bis zum Strand halt.“ „Ja, außer bis zum Strand. Der den Ruf eines wilden Bumstempels hat.“
„Dumme dumme Vorurteile!“ Mit Vorurteilen kennt sich Henry aus. „Wild gebumst wird in den Dünen im Grand Travers. Da stehen nachts im Sommer bis zu 200 Autos! Irre! Sonst kannst Du aber auch zu den Aresquiers. Offizieller Schwulenstrand, ruhig und überaus ordentlich! Das ist es ohnehin, was ich hier besonders mag, diese Vielfalt. Hier hast Du alles : Kultur, gutes Essen, Sonne. Du kannst hier zum Strand oder in die Berge. Du kannst hier hardcore leben oder halt nicht. Hier bist Du frei. Wirklich frei.“
Daraufhin bestellen Henry und ich uns einen weiteren Aperitif und sehen der Sonne beim Untergehen zu. Prost!
* In Frankreich können seit einigen Jahren alle, unabhängig vom Geschlecht, vor einem offiziellen Staatsvertreter einen Lebensgemeinschaftsvertrag schließen, den Pacs, der zwar nicht einer Ehe gleichzusetzen ist, ihnen aber einige Rechte sichert.

Henry empiehlt:
(eine kleine Auswahl)

Die beste Webseite für Infos über schwules Leben in Montpellier: www.lemaxximum.com. Enthält alle wichtigen Adressen der Stadt. Für weitere Ideen und Adressen in und um Montpellier sei die lokale Schwulenzeitschrift „JeMed“ empfohlen („Med“ für Méditerranée, nicht für Medizin!), kostenlos z.B. im Café de la Mer erhältlich.

  • Connector.

    Essen & Trinken

    Le Café de la Mer, place du Marché aux Fleurs (auch als place de la préfecture bekannt) im Stadtzentrum. DER Treffpunkt, leicht zu finden, und inoffizielles schwules Tourismusbüro! Restaurant l’Attitude, 5 rue Alexandre Cabanel, Montpellier, Tel. 04 67 60 38 97

  • Connector.

    Saunas

    Eher „in“ : Koncept Sauna, 10 avenue de Lodève, Montpellier, Tel. 04 67 58 25 27; Eher hardcore: Sauna de la gare, 8 rue Levat, Tel. 04 67 58 61 42

  • Connector.

    Diskos

    Le Pam, parc d’Issanka, Poussan, Tel. 04 67 78 71 38 (Alterdurchschnitt ca. 30 bis 60); Maxximum, les arènes de Palavas, (Altersdurchschnitt 18 bis 30); La Villa Rouge, für Liebhaber der Elektroszene, route de Palavas

  • Connector.

    Reisen

    Mit Ryanair kommt man von Frankfurt Hahn aus super günstig nach Montpellier Fréjorgues. Öffentliche Verkehrsmittel sind hier sehr gut organisiert, ansonsten empfiehlt sich das gay freundliche Rent-a-Car (auch am Flughafen vertreten)

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