Stadtpark

In Gesellschaft, Sehenswertes by Petit piaf0 Comments

Seit die Stadt ein ehemaliges Militärgelände erworben hat, haben die Bürger ihn sich angeeignet. Doch bald könnten Spekulanten und Makler für Unruhe im „Centralparc de Montpellier“ sorgen.

© Marie Urdiales

Er stand im Mittelpunkt des Wahlkampfes bei den Gemeindewahlen 2014, und er dürfte bald wieder Schlagzeilen machen. Montcalm, ein ehemaliges Militärgelände im Herzen der Stadt, ist bereits seit mehreren Jahren heiss umkämpftes Gebiet für zwei Gruppen, deren Interessen kaum widersprüchlicher sein könnten. Montcalm, das sind 26 ha, die 1888 von der französischen Armee erworben wurden, und 2012 von der Stadt zurück gekauft wurden. Doch bereits im Januar 2011, nach Abzug der Truppen aus Montpellier, wurde der grosse Park der Öffentlichkeit frei gegeben, und diese hat sich schnell an das weitläufige Gelände gewöhnt. Tatsächlich ist es ein liebenswertes, auch weil etwas chaotisches Gebiet. Da einst das Militär dort trainierte, findet man ein Leichtathletikstadion, ein Rugbyfeld, Spielfelder für Basketball, Handball oder Volleyball, Tennisplätze, alles etwas heruntergekommen, alles mit etwas viel Beton, aber drumherum ist es grün. Sehr grün. Eine Seltenheit, in Frankreichs Städten ohnehin, und im Süden sowieso. In Montcalm aber gibt einen kleinen Pinienwald, Schatten spendende Platanen, kleine Rasenflächen hier und da… Es ist ein seltenes Glück, soviel Grün und Raum und Platz in einer Stadt zu finden, dazu noch relativ im Zentrum gelegen.

Von Anfang an haben sich die Montpellieraner den Park gleichsam angeeignet. Vor allem die Sportler, aber nicht nur. Man trifft in Montcalm Jogger, natürlich, und Sonntagsathleten, die ihre Runden drehen, man sieht Inline Roller auf den betonierten Spielfelder ihre Figuren drehen, man sieht Volleyballer… Aber man trifft auch Hundeschulen, Yoga Gruppen, Familien beim Picknick, Tai Chi Meister und Badminton Amateure… Es ist kein wirklich schöner Park, dafür wurde er zu sehr als Trainingsgelände konzipiert und genutzt, und nicht als Grünanlage. Aber das Menschliche, das ihm die Besucher täglich verleihen, hat aus Montcalm und seiner Weitläufigkeit eines der beliebtesten Plätze der Montpellieraner gemacht. Doch gerade die zentrale Lage machte den Ort auch schon bald zum Anreiz für Immobilieninvestment. Der Park wurde eingebettet in einem der komplexen Urbanismusprojekte, in denen sich Montpellier in den letzten 10 Jahren spezialisiert hat. In diesem Fall sollte der Park um etwa ein Drittel amputiert werden, um neues Bauland freizugeben. Gleichzeitig sollte die ursprünglich geplante fünfte Strassenbahnlinie durch Montcalm fahren, und auch, wenn die Stadt versprach, neue Bäume zu pflanzen, und den Park schöner, praktischer, insgesamt besser zu machen, es änderte nichts daran, dass der Protest bald anschwoll, und das Thema „wieviel Hektar braucht eine Stadt?“ zum wichtigen Thema des Wahlkampfes 2014 wurde. Philippe Saurel wurde wohl auch deshalb zum neuen Bürgermeister Montpelliers, weil er das Bauprojekt stoppte und versprach, den Park in seinem jetzigen Umfang zu bewahren.

Doch heute, knapp zwei Jahre nach seiner Ernennung, scheint Saurel schwach zu werden. Das befürchtet zumindest die Bürgerinitiative, die zur Zeit wieder regelmässig zum Widerstand ruft. Makler, Investoren und Befürworter einer fünften Strassenbahnlinie scheinen aus dem Winterschlaf aufzuwachen. Und obwohl „Montcalm“ „meine Ruhe“ bedeutet, könnte es mit dieser bald wieder vorbei sein.

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