Von der Kunst des guten Korken

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Diam Bouchage ist eine Firma, die es krachen lässt. Der Korkenhersteller aus dem südfranzösischen Ceret sollte vor allem Weinkennern ein Begriff sein. Weltweit bekannt, stand das Unternehmen im Jahr 2000 trotzdem beinah vor der Insolvenz.

© Stefanie Eisenreich.
Dieser Artikel erschien in der November/Dezember Ausgabe (2015) des Magazins ParisBerlin.

Folgt man Dominique Tourneix‘ Ausführungen über Diam Bouchage und das Besondere der Korkenherstellung in dieser Firma, möchte man am liebsten laut ausrufen: „Ab sofort kaufe ich nur noch Weine mit Korkverschlüssen von Diam Bouchage!“ Der Direktor dieser Korkenfirma versteht das Handwerk des Marketings, keine Frage. Und er verstand es auch, die Firma zum Erfolg zu führen.
Während der Korkenhersteller heute knapp zwei Milliarden Korken in alle Welt verkauft und damit einen Gewinn von 110 Millionen Euro pro Jahr erzielt, stand dieser zu Beginn der 2000er Jahre beinah vor dem Aus. Man hatte in den 90er Jahren entdeckt, dass der erdige Geschmack im Wein vor allem auf das Konto der Korkverschlüsse ging. Dies ging auch zu Lasten der Firma Diam Bouchage, die damals noch den Namen der spanischen Gründerfamilie Sabate trug. Bereits 1939 hatte diese zunächst eine Produktionsstätte im spanischen San Vicente de Alcántara aufgebaut, war erfolgreich damit und eroberte sich später seinen Platz in dem südfranzösischen 8000-Seelenstädtchen Céret am Fuße der Pyrenäen. Der spanisch-französische Korkenhersteller folgt damit einer langen Tradition. Denn die Region ist bekannt für üppige Korkeichenwälder, vor allem aber für seinen Wein. Wo der pragmatische Deutsche also mittlerweile dem Schraubverschluss den Vorzug gibt, setzt der Franzose nach wie vor auf den traditionellen Korken, was einem so typisch französischen Produkt wie Wein natürlich ein zusätzliches Flair verleiht.

„Vergleicht man das mit einer Obstsaftmarke, dann stellen Sie sich vor, einer von hundert Säften hätte einen schlechten Geschmack. Die Marke wäre tot.“Domonique Toureix, Direktor von Diam Bougage

Dank einer von Diam Bouchage entwickelten Innovation müssen Weinbauern nicht auf dieses Flair verzichten. Denn die Firma verbindet Tradition und neue Technologie, indem es die Korken einer Prozedur unterzieht, die ihnen mithilfe superkritischen Kohlendioxids eben jene Moleküle entzieht, die für den holzigen Korkgeschmack verantwortlich sind. Dieses innovative Konzept des Konzerns sei es auch, das den Korkenhersteller weltweit ziemlich einmalig sein lässt. Denn bis in die späten 90er Jahre mussten die Landwirte mit dem Risiko des Korkgeschmackes leben. „Vergleicht man das mit einer Obstsaftmarke, dann stellen Sie sich vor, einer von hundert Säften hätte einen schlechten Geschmack. Die Marke wäre tot,“ veranschaulicht Dominique Toureix die Herausforderungen des Berufsstandes. Kaum zu glauben, dass aufgrund dessen die Firma mit knapp 90 Millionen Euro Verlusten zu kämpfen hatte, als der heutige Direktor und Agronom Toureix 2003 zu Diam Bouchage kam. Denn die Korkenfirma ist heute nicht nur sehr erfolgreich mit seiner sehr wirksamen Technik zur Reinigung der Korken, sondern bleibt gleichzeitig im persönlichen Kontakt mit den Weinbauern. Dies erlaubt ihnen, die Korken direkt an die Wünsche und Weine des Kunden anzupassen.

Als wäre dies noch nicht genug, hat Diam Bouchage daneben außerdem Korken mit unterschiedlicher Haltbarkeitsdauer entwickelt. Für Weine, wie den süffigen Rosé aus dem Supermarktregal, der schnell geöffnet und schnell getrunken wird, reicht oft ein einfacher Korken mit einer Haltbarkeitsdauer von zwei Jahren aus, bevor er etwa porös wird. Denn auch einem Korken geht im Flaschenhals irgendwann die Kraft aus. Für Weine mit hoher Qualität, die ihre ersten Jahre unter Verschluss verbringen, um ihren besten Geschmack zu entwickeln, empfiehlt sich dagegen ein Korken, der dem Druck der Flasche bis zu 30 Jahren Stand halten kann. Diam Bouchage scheint für alles eine Lösung parat zu haben.
Damit hat die Firma nicht nur die Konkurrenz an den Rand gestellt, sondern auch der Finanzkrise 2008 erfolgreich den Rücken gekehrt. „Uns hat die Krise sogar geholfen, wenn man das denn so sagen kann,“ erklärt Dominique Toureix selbstsicher. „Die Weinbauern, die vielleicht noch ein bisschen zögerten, auf einen innovativen aber sicheren Korken umzusteigen, haben dies gerade in dieser Zeit viel leichter getan. Denn das Risiko des holzigen Korkgeschmacks wollten die Wenigsten eingehen, da sonst des Weinbauern finanzieller Tod winkte. Da haben viele einfach auf Sicherheit gesetzt.“ Zahlreiche kleine Korkenhersteller in der Region mussten in dieser Zeit schließen, da sie nicht konkurrenzfähig blieben. Diam Bouchage dagegen konnte den Ansprüchen seiner Kunden gerecht werden. „Natürlich spielt dabei auch die Kapazität der Firma, dessen Größe und dank seiner Aktionäre auch dessen finanzielle Mittel für Investitionen eine entscheidende Rolle,“ räumt Toureix ein. Und an Investition mangelt es bei Diam Bouchage nicht.
Mittlerweile hat der Korkenhersteller in eine dritte Produktionsstätte in Portugal in der Nähe von Porto investiert und exportiert weltweit in ingesamt 42 Länder, darunter auch nach Deutschland. Außerdem wird hinter den Türen der Korkenfirma eifrig an einer neuen Prozedur gearbeitet, die die letzten chemischen Moleküle, sogenannte Polymere im Korken der Firma durch ein natürliches und damit vollkommen ökologisches Material ersetzen sollen. Ziel ist es, nicht nur der Konkurrenz die letzten Argumente gegen Diam Bouchage zu nehmen, sondern auch den Export auf 3 Milliarden Korken zu erhöhen, was ein Sechstel des Weltmarktes bedeuten würde. Damit spielt Diam Bouchage heute trotz Krise in der Liga der Großen.

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