Von Poquelin zu Molière über Pézenas

In Reisen, Sehenswertes by Petit piaf0 Comments

Kommen Sie gar nicht erst auf die Idee, in Pézenas das Haus des französischen Dichters Molières zu suchen – Sie werden es nicht finden. Wie Pagnol bereits sagte, erblickte hier nicht Jean-Baptiste Poquelin das Licht der Welt sondern der Dramaturg Molière.

© Text: Marie Urdiales Übersetzung: Stefanie Eisenreich Photos: Lisa Frechen

Tatsächlich sagt man, dass der Autor von mehr als 30 Theaterstücken in dieser Stadt mit den kleinen, maliziös anmutenden Gassen zu dem Dichter wurde, der im 17. Jahrhundert den Hof Versailles und den Sonnenkönig entzückte. Warum also Pézenas, werden Sie fragen. Weil die Stadt zu damaliger Zeit die Präsenz des Adels, der Prälaten und des Hochstandes des gesamten Staates des Languedoc genoss. Ein großes Publikum, das nach Unterhaltung lächzste.

Niemand wird sich also über den ständigen Strom all dieser Schauspieler, Gaukler und Jongleure wundern, die ihren Weg nach Pézenas fanden. Molière und seine Truppe schlossen sich diesen zum ersten Mal im Jahr 1650 und erneut 1653 im Zuge einer Staatssitzung an. Die Geschichte will, dass der Prinz von Conti bei dieser Gelegenheit die Schauspieler engagierte, um seine Mätresse zu unterhalten. Und die Geschichte will auch, dass der Prinz sich nicht nur von den Darbietungen der Schauspieler verführen ließ, sondern auch vom Charme einer der Schauspielerinnen, der berühmten Marquise. Wie dem auch sei, der Prinz war so verzaubert, dass er Molière und seinen Begleitern anbot, « Schauspieler der S.A.R. Prinz von Conti und der Staaten des Longuedoc » zu werden. Ach ! Drei Jahre später, 1656, entdeckte der Prinz seine Neigung zur Religion und schickte, stark beeinflusst von deren Strenge, seine Mätresse ins Kloster und Molière zum Teufel. Dies war das Ende von dessen Etappe im Languedoc, wo er zu diesem Zeitpunkt noch keine seiner großen Komödien geschrieben hatte und wo er dennoch in aller Ruhe das Fußvolk und die Gecken der Reichen hatte beobachten können.

Dichters herzlich wenig. Doch von Molière in den Straßen der Stadt so Einiges. Stolz darauf, diesen Spaßmacher der Könige in ihren Häusern beherbergt zu haben, bewahrt die Stadt von Pézenas sein Andenken, in dem sie ihn in Stein gemeißelt, auf Papier gebracht und sogar im Geiste erwähnt, wo sie nur kann ! Die Gewissenhafteren unter Ihnen mögen sich an das Touristenbüro wenden, um Schritt für Schritt dem Schatten dieses großen Mannes zu folgen, während so mancher Freigeist sich lieber durch die Gassen der Altstadt treiben lassen wird. Letztere werden durch einen Umweg über eine der verwinkelten Straßen oder durch das einfache Anheben der Nase, diese oder jene Spur entdecken, die manchmal überraschender nicht sein könnte. Eine Statue, geschenkt von « Bewunderern » lädt im Herzen einer kleinen Grünfläche jeden dazu ein, die Plakette zu lesen, die auf einen Herren namens Gely verweist, Barbier von Beruf und Freund von Molière. Über diese visuellen Andenken hinaus, gehen außerdem all jene Theatergruppen, die neue Stücke schreiben oder des Dichters Stücke übernehmen. Oder auch diese jungen Frauen, junge Kostümbildnerinnen, die die Tradition weiterführen und Pompon und Perrücke tragen…Daher sagt man auch, dass das schönste Andenken, das Molière dieser Stadt im Süden veerbt hat, vielleicht dieser unsichtbare Hauch ist, der noch immer durch die Gemäuer zieht. Ein Hauch, der all jene, die die Schatten der Schauspieler sehen können, erkennen lässt wie sie auf den wunderschönen Bühnen spielen, auf den Stufen und Absätzen der ehemaligen Stadtpalais. Denn wenn Poquelin nicht in Pézenas geboren ist, so ist Molière nicht bereit, dort zu sterben….

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